Ein rosa Fußabdruck kann Jeder

krabbelgruppe


Integrative Krabbelgruppe der Lebenshilfe Gelnhausen

Heute bin ich zu Gast bei der Krabbelgruppe der Lebenshilfe Gelnhausen.

Das fröhliche Kindergeplapper ist weithin zu hören und so finde ich die kleine Gruppe im Schatten zweier Bäume auch gleich. Die seit über einem Jahr bestehende Krabbelgruppe für behinderte und nicht behinderte Kinder im Alter von 0-4 Jahren trifft sich jeden Mittwochnachmittag von 15.30 – 17.00 Uhr. Normalerweise stehen dafür die schönen, hellen Räume der Lebenshilfe Gelnhausen zur Verfügung, doch heute zieht Sonne und Wärme alle nach draußen. Maren Greinke und Denise Wagner, die beiden Leiterinnen des Treffs, holen die Planschbecken aus dem Materiallager der Lebenshilfe sowie eine große Gießkanne mit der das Becken gefüllt werden soll. Sarina, Klara Luise, Niklas, Mascha, Santiago und Luca sind außer Rand und Band. Sie klettern in Pampers über den Beckenrand, schaufeln Wasser nach draußen oder spritzen sich nass, was nicht immer auf gegenseitige Freude stößt.Wer keine Lust mehr auf plantschen hat kann auf der Wiese Ball spielen oder nutzt die bereit gestellten Wasserfarben, um sich oder den Müttern wunderschöne Punkte in aller Farbenpracht auf die nackten Füße zu malen.

Für meine langweiligen Fragen zeigen die Kinder kein Interesse, ich sehe doch, dass es ihnen super gefällt.
Die Leiterinnen, die beide über eine pädagogische Ausbildung als Heilerziehungspflegerin bzw. Erzieherin verfügen, sind gesprächsbereit. Denise Wagner hat die Lebenshilfe über den LebMalClub kennen gelernt und sich dort ehrenamtlich engagiert. Als sie ihr erstes von inzwischen drei Kindern bekam, blieb keine Zeit mehr für den LebMalClub, aber ein großes Interesse für die Arbeit mit behinderten Kindern. In Maren Greinke, die ebenfalls zwei Kinder hat, fand sie eine kompetente Partnerin und gemeinsam entwickelten sie ein Konzept für die Integrative Krabbelgruppe.
Bei der Lebenshilfe Gelnhausen stießen die beiden auf offene Ohren. Vielen Müttern oder Vätern mit behinderten Kindern fällt es schwer, die Krabbelgruppe vor Ort zu besuchen. „Mein Kind war so anders, konnte noch nicht laufen oder selbst essen und die Gespräche drehten sich um tolle Fortschritte der Kinder, was bei meinem Sohn noch sehr lange dauern wird“, weiß die Autorin aus eigener Erfahrung zu berichten. Daheim zu bleiben, sich abzugrenzen ist natürlich auch nicht die Alternative.

Greinke und Wagner laden mit Flyern, die sie bei Kinderärzten, der Frühförderstelle, in Kirchengemeinden und Kindergärten verteilen zu unverbindlichen Schnuppertreffen ein. Nach dreimal schnuppern und wohl fühlen sollten die Teilnehmer Mitglied bei der Lebenshilfe werden, allein schon aus versicherungstechnischen Gründen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 40€ im Jahr. Maren Greinke erklärt, „wir haben kein festes Programm, sondern bieten den Kindern eine Vielzahl von Möglichkeiten, um erste soziale Kontakte zu knüpfen, Bewegungserfahrungen zu sammeln und spielerisch eigene Fähigkeiten auszuprobieren.“ Das kann ich vor Ort live miterleben und schließlich erklären sich Sarina und Niklas doch bereit mir zu sagen, was sie so machen: „Waffeln backen, Fensterscheiben anmalen, der Nikolaus war zu Besuch.“ Na, das dürfte schon eine Weile her sein, aber scheinbar sehr beeindruckend.
„Wir möchten natürlich auch den Müttern oder Vätern eine Raum geben, um sich auszutauschen“, erläutert Denise Wagner. Kürzlich war ein Vater aus Büdingen zum Schnuppern da, allerdings sei für ihn die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem behinderten Sohn kaum regelmäßig zu schaffen. Wagner und Greinke wissen um die Probleme von Familien mit einem behinderten Kind, wissen, dass so Manches den Tagesplan durcheinander wirft oder durch eine Vielzahl von therapeutischen Angeboten die Lust auf einen weiteren Termin nicht sehr stark ist.
Den Kindern scheint unser Gespräch nun lange genug gedauert zu haben, nun sind sie wieder dran. Santiago will Fußball spielen, Niklas schaut gebannt auf die Wolldecke, auf der er das      Wasserfarbenwasser ausgeschüttet hat und Sarina hat die tolle Idee, die Fußsohlen rosa anzumalen und ihren Fußabdruck auf einem Blatt Papier zu hinterlassen. „Ein rosa Fußabdruck kann Jeder.“ Davon sind auch Denise Wagner und Maren Greinke überzeugt und sie wünschen sich noch mehr Mütter oder Väter mit Behinderten und nicht behinderten Kindern, die sich für das Angebot interessieren: Anmeldungen und Information: Denise Wagner 0170/6429340; Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Lebenshilfe Gelnhausen 06051-53031; Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Regina Kriegsmann

Vorstandsmitglied